Erkenntnisse aus der Wissenschaft: Produktdesign für das Altern

Wie muss ein Produkt für das Seniorenalter eigentlich gestaltet sein, damit es genau die Bedürfnisse seiner Nutzer erfüllt? Die Usability-Experten von SeniorWise haben dazu einen interessanten Artikel veröffentlicht, den wir hier zusammenfassen.

Die Wissenschaft ging lange davon aus, dass zum Alterungsprozess das Bedürfnis gehört, sich etwas zurückzuziehen und mit weniger sozialer Interaktion durchaus ein glückliches Leben im Alter führen zu können. Dem widersprechend wurde argumentiert, dass lediglich äußere bzw. gesellschaftliche Strukturen dafür verantwortlich seien, dass ältere Menschen aufgrund ihrer physischen Einschränkungen von sozialer Interaktion ausgeschlossen werden. Ihre innere Motivation sich auszutauschen und am gesellschaftlichen Diskurs teilzuhaben, unterscheide sich nicht von Menschen mittleren Alters.

Heute weiß man, dass es keinen allgemein gültigen Prozess des Alterns gibt und jeder Mensch individuelle Bedürfnisse hat, die er unabhängig seines Lebensalters verfolgt.
Produktdesign unterstützt die Bedürfnisse des Nutzers. Sinnvolle Produkte für Nutzer im reiferen Alter sollten demnach das Verhalten der Anwender in beide Richtungen unterstützen: Zum einen sollen sie Interaktion ermöglichen, sofern diese vom Senior gewünscht wird. Zum anderen können Produkte dem älteren Menschen dabei helfen, seine Bedürfnisse auch in zunehmender Zurückgezogenheit zu erfüllen.

Dabei muss man berücksichtigen, dass der Wunsch nach Zurückgezogenheit nicht per se schlecht ist. Er ist ein ganz normales individuelles Bedürfnis des Seniors – genau wie es auch bei jüngeren Menschen vorkommt, möglicherweise lediglich etwas häufiger im Alter. Unbewusst wird in jeder Situation neu entschieden, ob eine Aktivität lieber allein oder in Gesellschaft mit anderen unternommen werden soll. Diese Entscheidung wird von zahlreichen Faktoren wie der physischen Verfassung, dem Zeitpunkt am Tag, den Wetterbedingungen und von den zur Verfügung stehenden Interaktionspartnern beeinflusst.

Unterstützung sozialer Interaktion ebenso wichtig wie Ermöglichen von Zurückgezogenheit

Was bedeutet das nun für das Produktdesign? Kluge Produkte sollen den Senior auf der einen Seite darin unterstützen, Situationen unabhängig und allein zu bewältigen. Auf der anderen Seite sollen sie den älteren Menschen darin ermutigen, etwas zu unternehmen und dadurch mehr soziale Interaktionen einzugehen.

Wie können konkrete Angebote aussehen?

  • Produkte und Dienstleistungen sollten dem Nutzer die Freiheit geben, so viel wie möglich von ihrem eigenen Zuhause aus zu erledigen. Dazu gehören bspw. Online-Lieferdienste für Lebensmittel, nutzerfreundliche Online-Banking-Portale und Dienstleistungen wie Physiotherapie, Friseur oder Fitnesstrainer, die direkt zum Senior nach Hause kommen.
  • Produkte sollten gleichermaßen vor übermäßiger Zurückgezogenheit und der damit einhergehenden Vereinsamung schützen. Sie können den Senior dazu motivieren, ihr Zuhause zu verlassen, um andere zu treffen oder zumindest von zu Hause aus mit anderen zu kommunizieren. Beispiele hierfür sind zielgruppengerechte Soziale Netzwerke und Plattformen zur Verabredung von gemeinsamen Ausflügen oder sportlichen Aktivitäten. Dazu gehören auch Kommunikationsmittel, die dem Senior erlauben, virtuell am Leben der Familienmitglieder teilzunehmen und den Austausch von Nachrichten und Bildern ermöglichen.

Letztendlich entscheidet sich jeder Senior individuell für die Zurückgezogenheit oder den Austausch mit anderen. Aus ethischer Sicht sollten Produktdesigner den „sozialeren“ Weg fördern, indem Dienstleistungen zum Beispiel immer auch die analoge Kommunikation von Angesicht zu Angesicht anbieten. Neben dem ethischen Aspekt kommt hier auch der kommerzielle Aspekt hinzu. Denn ein zurückgezogener Kunde ist ein verlorener Kunde. Bei der Konzeption von Angeboten sollte demnach ein Nutzungsweg enthalten sein, der es auch Interessenten mit physischen Einschränkungen ermöglicht, das Angebot wahrzunehmen.

Dieser Artikel erschien auf www.seniorwise.eu. Sie können den vollständigen Beitrag in englischer Sprache direkt bei den Usability-Experten von SeniorWise abrufen. Wir danken herzlich für die Zustimmung zur Verbreitung des Artikels.

asina Tablet zur Aktivierung des Seniors

Was asina bereits umgesetzt hat:

  • asina bietet den einfachen Zugang zum Internet und ist damit ein für den Senior angepasstes digitales Endgerät, das ihm erst ermöglicht, in Online-Shops einzukaufen.
  • Der asina Service umfasst zum einen die Fernwartung, über die Angehörige Bilder bereitstellen, Nachrichtenkanäle bündeln und Merklisten anlegen können. Zum anderen werden technische Fragen rund um asina telefonisch vom Kundenservice beantwortet.
  • asina hilft dabei, den Alltag zu strukturieren und unterstützt insbesondere mit dem Fotoalbum bei der biographischen Arbeit.
  • In asina können Anwendungen wie WhatsApp integriert werden, die dabei helfen, sich mit anderen Menschen zu vernetzen, alte Bekanntschaften zu pflegen und neue Kontakte zu finden.